Spektrum Workbook

Workbook für autistische Erwachsene


Herzlich Willkommen

Du kannst jederzeit aufhören. Alles wird automatisch in deinem Browser gespeichert – du musst nichts in einem Stück schaffen.

Dieses Workbook ist dein erster Schritt zur Orientierung. Ich biete psychologische Beratung (keine Psychotherapie) für autistische Erwachsene an – für Themen wie Arbeit, Energie, Identität und Beziehungen.

Das Workbook hilft dir, zu verstehen, was Beratung bei mir bedeutet, welche Themen für dich gerade relevant sind (z. B. Burnout, Masking, Beruf) und ob ein Erstgespräch zu diesem Zeitpunkt sinnvoll ist.

Was dich erwartet: Selbsteinschätzung zu Energie und Burnout, ein Masking-Screening (CAT-Q) und ein Passungs-Check.

Du bestimmst das Tempo. Ein Kapitel reicht für den Einstieg; der Rest kann warten. Klare Struktur, direkte Sprache, reizarm gestaltet.

Feedback ist jederzeit willkommen: kontakt@spektrum-muenster.de


16Kapitel
1reicht fürs Erste

1. Was ist Spektrum Münster?

1.1 Was ich anbiete – und wie ich arbeite

Spektrum Münster bietet psychologische Beratung für autistische Erwachsene – klar strukturiert, auf Augenhöhe und ohne Small-Talk-Pflicht. Du bestimmst Thema und Tempo. Ich sorge für Vorhersehbarkeit: Vor jeder Sitzung erhältst du eine Übersicht des Ablaufs, die Agenda. Nach jeder Sitzung erhältst du eine Zusammenfassung, damit die Menge an Themen, die sich über einen Termin ansammeln können, nochmal einen Ort hat, wo du sie in Ruhe nachlesen kannst.

Die Beratung findet hauptsächlich online statt. Präsenzsitzungen sind in Münster möglich – aber kein Muss.

Neuroaffirmativ – was das konkret bedeutet

Ausgangspunkt meiner Arbeit ist die Frage, was in dir vorgeht – dein Erleben zählt, unabhängig davon, ob eine Diagnose vorliegt.

Meine Arbeit stützt sich auf aktuelle Forschung: Monotropismus erklärt, warum Übergänge und Unterbrechungen so viel Energie kosten – als Merkmal eines Systems, das beim Umschalten hohen Aufwand betreibt. Alexithymie – die Schwierigkeit, eigene Gefühle zu benennen – wird klinisch oft übersehen oder mit Empathiemangel verwechselt, obwohl beides klar trennbar ist. Das Double Empathy Problem zeigt, dass Kommunikationsschwierigkeiten bidirektional entstehen.

Das verändert, was ich in einer Sitzung höre und welche Fragen ich stelle. Wenn jemand beschreibt, nach jedem Sozialkontakt tagelang erschöpft zu sein, denke ich nicht zuerst an soziale Phobie. Ich denke an den Aufwand, den ein neurotypisch ausgerichtetes Umfeld einem monotropen System abverlangt. Ich denke an Masking als chronische Erschöpfungsquelle, nicht als Copingstrategie. Und ich denke an die Frage, welche Kontexte für diese Person überhaupt tragfähig sind – nicht, wie sie sich besser anpassen könnte.

Du bist Expert:in deiner eigenen Erfahrung. Meine Rolle ist, den Rahmen bereitzustellen, in dem diese Erfahrung eingeordnet werden kann.

1.2 Für wen ist Spektrum Münster da?

Primäre Zielgruppe:

  • Autistische Erwachsene ab 18 Jahren
  • Mit oder ohne Diagnose

Hauptanliegen:

  • Arbeitsplatz-Navigation
  • Autistisches Burnout & Energiemanagement
  • Identität & Selbstwert nach (Spät-)Diagnose
  • Soziale Beziehungen & Partnerschaft
  • Berufliche Neuorientierung

Was ich nicht anbiete:

  • Akute Krisenintervention (→ Krisendienste, Notfallnummern)
  • Behandlung psychischer Erkrankungen (→ Psychotherapie)
  • Diagnostik (→ Fachärzt:innen, Diagnostikstellen)
  • Rechtliche Beratung (→ Rechtsanwält:innen)

1.3 Autismusgerechte Prozesse

Was bedeutet das konkret?

  • Vorhersehbarkeit: Schriftliche Agenda 24 Stunden vor jeder Sitzung per E-Mail
  • Dokumentation: Schriftliche Zusammenfassung binnen 48 Stunden nach jeder Sitzung
  • Setting-Anpassungen: Bspw. keine Kamerapflicht, kein Blickkontakt nötig, Stimming willkommen, Räume abdunkeln, kein Händeschütteln nötig, etc.
  • Direkte Kommunikation: Kein Small Talk erforderlich, direkte Sprache ohne Metaphern
  • Autonomie: Du bestimmst Thema, Tempo, Tiefe

1.4 Solidarisches Preismodell

Menschen mit höherem Einkommen zahlen mehr, damit auch Menschen mit niedrigerem Einkommen Zugang haben. Du wählst selbst, welche Preisstufe zu deiner Situation passt.

Basis- und Regelbeitrag

  • Basisbeitrag – wenn finanzielle Spielräume eher knapp sind: z. B. Studium, Ausbildung, Teilzeit, befristete Verträge, Familienverantwortung.
  • Regelbeitrag – wenn deine finanzielle Situation stabil ist: z. B. unbefristete Vollzeit, durchschnittliches Einkommen, Doppelverdienende.
Beitragsstufe Erstgespräch (50 Min) Einzelberatung (50 Min)
Basisbeitrag 67,90 € 109 €
Regelbeitrag 79,90 € 129 €

Selbstbestimmte Preiswahl: Du wählst die Stufe, die zu deiner aktuellen Situation passt. Keine Nachweise oder Begründungen erforderlich.

Das Solidarmodell in der Praxis

  • Alex M. – Arbeitet 30 Stunden in einem befristeten Vertrag und trägt Familienkosten mit. Alex entscheidet sich für den Basisbeitrag: Erstgespräch 67,90 €, Einzelberatung 109,00 €. Passt gut, wenn finanzielle Spielräume eher knapp sind.
  • Robin T. – Arbeitet unbefristet in Vollzeit und hat ein stabiles Einkommen. Robin wählt den Regelbeitrag: Erstgespräch 79,90 €, Einzelberatung 129,00 €. Ideal, wenn die finanzielle Lage solide ist.

Wichtig: Die finanzielle Situation hängt nicht nur vom Einkommen ab, sondern auch von Wohnkosten, Kindern, Pflegeverantwortung, Schulden und anderen Faktoren. Du kennst deine Situation am besten.

Es gibt keine falsche Wahl. Du kannst jederzeit die Preisstufe anpassen, wenn sich deine Situation ändert.

1.5 Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich eine Autismus-Diagnose?

Nein. Du kannst auch mit Verdacht oder in Diagnostik Beratung nutzen. Wichtig ist, dass du dich im Autismus-Spektrum wiederfindest.

Wie oft kann ich kommen?

Das bestimmst du. Typischer Start: alle 2–3 Wochen, später flexibler. Manche kommen alle 2 Wochen, andere alle 4 Wochen, wieder andere nur bei Bedarf. Es gibt keine Verpflichtung.

Ich habe neben Autismus auch ADHS – ist das ein Thema hier?

ADHS-Merkmale treten bei etwa 50–70 % der autistischen Erwachsenen zusammen auf – das ist in der Beratung präsent und wird mitgedacht. Mein fachlicher Schwerpunkt liegt jedoch klar bei Autismus. Wenn ADHS das zentrale Thema ist und du dafür spezialisierte Beratung oder Coaching suchst, passt möglicherweise ein anderes Angebot besser. Für die Kombination beider Aspekte aus autismusspezifischer Perspektive bin ich der richtige Ansprechpartner.

Kann ich auch online kommen?

Ja. Online ist sogar der Weg, den die meisten Personen, die bei mir in Beratung sind, wählen. Präsenzsitzungen sind in Münster möglich.


2. Selbst-Check: Ist mein Anliegen relevant?

Viele autistische Menschen fragen sich, ob ihre Situation Unterstützung rechtfertigt. Dieser Check hilft bei der Einordnung.

Trifft davon etwas auf dich zu?

Du kannst einfach weitermachen und am Ende selbst entscheiden, ob ein Erstgespräch mit mir Sinn ergibt – auch, wenn du dir unsicher bist.

Je mehr davon zutrifft, desto eher passt eine Beratung zu dir. Unterstützung ist auch dann sinnvoll, wenn du nach außen noch funktionierst – früh ansetzen ist leichter, als zu warten, bis nichts mehr geht.

Wenn du magst, kannst du direkt einen Termin buchen oder mir schreiben.

Wichtig: Dieser Check ersetzt keine medizinisch-diagnostische Einschätzung.


3. Typische Startsituationen

Sechs fiktive Beispiele aus der Praxis – unterschiedliche Ausgangssituationen, unterschiedliche Themen. Vielleicht erkennst du dich in einem davon.

3.1 Profil A: Nach Burnout – Fokus Arbeitsplatz

Ausgangssituation:

Ende 30, Bürojob mit hohen sozialen und kognitiven Anforderungen, nach 3 Monaten AU wegen Erschöpfung. Rückkehr an den Arbeitsplatz steht bevor. Sorge vor erneutem Zusammenbruch.

Fokus der Beratung:

  • Energiemanagement-Strategien entwickeln
  • Nachteilsausgleich vorbereiten (Home-Office, reduzierte Stunden)
Was ist ein Nachteilsausgleich?

Offizielle Anpassungen am Arbeitsplatz oder in Bildungseinrichtungen, auf die Menschen mit anerkannter Behinderung oder chronischer Erkrankung einen Anspruch haben können – z. B. Home-Office, reduzierte Stunden, technische Hilfsmittel, Assistenz. Zuständig: Integrationsamt / IFD (Integrationsfachdienst). Diagnose oder begründeter Verdacht kann Ausgangspunkt sein.

  • Kommunikation mit Arbeitgeber üben
  • Frühwarnsignale für Overload erkennen

Was geholfen hat:

Bewusster Umgang mit Masking, wöchentliches Energie-Tracking, klare Grenzen bei Meetings.

Zeitrahmen: 6 Monate, alle 2-3 Wochen, dann Pause. Sporadische Termine bei Bedarf.


3.2 Profil B: Nach Spätdiagnose – Fokus Identität

Ausgangssituation:

Mitte 40, Diagnose mit 42. Jahrzehntelanges Masking hat Selbstbild geprägt. Frage: „Wer bin ich ohne Maske?"

Fokus der Beratung:

  • Masking-Muster identifizieren (CAT-Q als Ausgangspunkt)
  • Autistische Identität integrieren
  • Umgang mit Trauer über „verlorene Jahre"
  • Schrittweise Authentizität in verschiedenen Lebensbereichen

Was geholfen hat:

Reflexion über internalisierte Ablehnungsmuster, Ausprobieren von weniger Masking in sicheren Kontexten, Verbindung zu autistischer Community.

Zeitrahmen: 8 Monate, anfangs wöchentlich, später alle 4 Wochen. Längere Pausen dazwischen.


3.3 Profil C: Elternschaft & Care-Arbeit – Fokus Familienalltag und Energie

Ausgangssituation:

Anfang 30, ein Kind (3 Jahre). Der Alltag besteht aus:

  • Kindergartenabholungen
  • Spielplätzen
  • Kita-Festen
  • Elterngesprächen
  • unvorhergesehenen Strukturbrüchen

Dazu: ein neurotypischer Partner, der nach einem Kindergeburtstag innerhalb von zwei Stunden wieder erholt ist – während die autistische Person noch bis zum nächsten Tag braucht, um wieder sprechen zu können.

Kernproblem:

Care-Arbeit ist echte Arbeit mit echten sensorischen und sozialen Energiekosten – Kinderlärm, Unvorhersehbarkeit, emotionale Regulationsarbeit, öffentliche Orte. Für autistische Elternteile addiert sich das oft deutlich stärker als für neurotypische.

Fokus der Beratung:

  • Care-Arbeit als messbare Erschöpfungsquelle benennen – nicht kleinreden
  • Eigene Erholungszeiten als nicht-verhandelbaren Bedarf kommunizieren
  • Aufgabenteilung nach tatsächlichen Energiekosten neu verhandeln (nicht nach „Fairness" im neurotypischen Sinne)
  • Frühwarnsignale für Overload im Familienalltag erkennen – bevor Meltdown oder Shutdown einsetzen
  • Unterschied erklären: „Ich kann nicht mehr" ist kein Vorwurf, kein Versagen, kein schlechtes Elternteil

Was geholfen hat:

Wochenplan mit fest eingebauten Pufferzeiten, explizite, schriftliche Absprachen zur Aufgabenteilung, eine Spielplatz-Strategie: Wann? Wie lange? Was hilft danach zur Regulation? Einmalig ein gemeinsames Gespräch mit Partner:in, um Energieunterschiede zu erklären.

Zeitrahmen: 6 Monate, alle 2 Wochen. Dann Pause, dann sporadisch bei neuen Lebensphasen.


3.6 Profil F: Ambivalenz & Zweifel – „Gehöre ich überhaupt dazu?"

Ausgangssituation:

Mitte 30. Hat in den letzten Monaten viel über Autismus gelesen – und sich in fast allem wiedererkannt. Aber gleichzeitig: „Ich funktioniere doch. Ich studiere, ich arbeite, ich führe Gespräche. Vielleicht bilde ich mir das alles ein."

Typische Gedanken:

  • „Ohne offizielle Diagnose nehme ich mir einen Platz weg, der jemand anderem wirklich zusteht."
  • „Was, wenn das alles Einbildung ist?"
  • „Ich simuliere das nur, um eine Erklärung für mein Scheitern zu haben."
  • „Meine Probleme sind doch nicht schlimm genug."

Was diese Person hemmt:

Kein offizieller Stempel. Vergleich mit Klischeebildern von Autismus (die nicht passen). Angst, als Betrüger:in enttarnt zu werden. Das Gefühl, erst „krank genug" sein zu müssen, um Unterstützung annehmen zu dürfen.

Fokus der Beratung:

  • Für eine Beratung brauchst du keine fertige Diagnose – ein begründeter Verdacht reicht aus.
  • Funktionieren nach außen und innere Erschöpfung können gleichzeitig existieren
  • Was bedeuten die eigenen Erfahrungen, unabhängig von einem Label?
  • Selbstakzeptanz ohne externe Bestätigung entwickeln

Was geholfen hat:

Erkennen, dass Masking nach außen „funktionierend" wirken lässt, aber immens viel Energie kostet. Erste Gespräche ohne Selbstrechtfertigung führen. Das eigene Erleben ernst nehmen – nicht erst, wenn andere es bestätigen.

Zeitrahmen: 4–5 Monate, alle 3–4 Wochen.


Hinweis: Diese Profile zeigen typische Verläufe, aber jeder Prozess ist individuell. Manche Menschen brauchen 3 Sitzungen, andere begleite ich über Jahre hinweg sporadisch.

Reflexion: Was nimmst du aus den Profilen mit?

In welchem Profil erkennst du dich am meisten?

Was hat dich überrascht?


4. Passt Beratung zu mir?

Dieser Check hilft dir zu prüfen, ob Beratung bei Spektrum Münster zu dir passt. Es gibt keine „richtigen“ oder „falschen“ Antworten.

4.1 Dein aktuelles Anliegen

Was beschäftigt dich gerade am meisten?

Wie würdest du deine aktuelle Belastung beschreiben?

Was hast du bereits ausprobiert?

4.2 Deine Präferenzen für Beratung

Wie möchtest du kommunizieren?

Wie strukturiert soll die Beratung sein?

Wie oft möchtest du Beratung in Anspruch nehmen?

4.3 Deine Erwartungen

Was möchtest du aus der Beratung mitnehmen?

Was ist dir in der Beratung wichtig?

4.4 Mögliche Barrieren

Gibt es etwas, das dich davon abhält, Beratung zu nutzen?

Was würde dir helfen, diese Barrieren zu überwinden?

4.5 Passungs-Checkliste

Bitte beantworte für dich selbst:

Hinweis

Je mehr davon zutrifft, desto eher passt die Beratung zu dir. Diese Liste ist ein Anhaltspunkt für dich – kein Test mit richtigem Ergebnis.

Du kannst einfach weitermachen mit dem Workbook und am Ende entscheiden, inwiefern ein Erstgespräch mit mir Sinn ergibt. Du kannst es auch in Anspruch nehmen, wenn du dir unsicher bist.


5. Selbsteinschätzung: Energie & Burnout

Fachbegriffe in diesem Kapitel – hier nachschlagen

Autistischer Burnout

Ein Erschöpfungszustand, der durch anhaltende Überlastung autistischer Ressourcen entsteht – durch chronisches Masking, sensorische Dauerbelastung und den Druck, neurotypischen Normen zu entsprechen. Nicht identisch mit beruflichem Burnout. Typisch: Längere Erholungsphasen als erwartet, vorübergehender Fähigkeitsrückgang (z. B. Sprache, Selbstversorgung), erhöhte sensorische Empfindlichkeit. Quelle: Raymaker et al. (2020).

Masking

Autistische Verhaltensweisen, Bedürfnisse oder Eigenheiten bewusst oder unbewusst verbergen, um als „normal" zu wirken. Masking kostet viel Energie, schützt kurzfristig vor Ablehnung und ist eine Überlebensstrategie, die viele autistische Menschen unbewusst entwickeln. Je größer das Ausmaß und je länger die Dauer, desto mehr wird es zu einem Hauptrisikofaktor für autistischen Burnout.

Stimming

Selbststimulierendes Verhalten: Schaukeln, Wippen, Summen, Tippen, Fidgeting, Repetitive Bewegungen oder Geräusche. Stimming ist Selbstregulation – es hilft dem Nervensystem, Erregung zu verarbeiten. Es ist normal, hilfreich und kein Rückschritt. Unterdrücken von Stimming kostet Energie und kann Overload verstärken.

Meltdown und Shutdown

Beide sind Überlastungsreaktionen – kein Kontrollverlust aus Absicht.

Meltdown: Überwältigende Reaktion auf sensorische oder emotionale Überbelastung. Kann sich nach außen als starke Gefühlsreaktion zeigen. Nicht kontrollierbar in dem Moment.

Shutdown: Rückzug nach innen – Bewegungslosigkeit, Sprachverlust (selektiver Mutismus möglich), Taubheitsgefühl. Auch eine Überlastungsreaktion, oft weniger sichtbar.

Beide brauchen Rückzug und Erholung. Du brauchst dich niemandem zu erklären und bei niemandem zu entschuldigen.

Monotropismus

Die Tendenz, sich intensiv und tief auf ein Thema oder eine Tätigkeit zu fokussieren – oft als Spezialinteresse erlebt. Stärke (Tiefe, Expertise, Flow) und Herausforderung gleichzeitig (Aufgabenwechsel, Unterbrechungen kosten mehr Energie). Monotropismus ist ein anders geformter Aufmerksamkeitsstil – mit eigenen Stärken und Herausforderungen.

Neurodiversität

Neurologische Unterschiede – Autismus, ADHS, Legasthenie u.a. – als natürliche Variationen menschlicher Gehirne. Neuroaffirmative Praxis arbeitet mit diesen Unterschieden.

Spoon Theory (Löffeltheorie)

Eine Metapher zur Veranschaulichung begrenzter Energie: Jeder Löffel steht für eine Einheit Energie. Wer chronisch erschöpft ist oder erhöhte Energiekosten hat (z. B. durch sensorische Belastung, Masking, Care-Arbeit), hat pro Tag weniger Löffel zur Verfügung – und muss priorisieren, was davon investiert wird. Entwickelt 2003 von Christine Miserandino.

5.1 Energie-Level-Check

Wie ist dein aktueller Energiehaushalt?

Frage 1: Wie viele „Spoons" (Energieeinheiten) hast du heute?

Hinweis

Körper-Anker (optional): Wenn dir Zahlen schwerfallen – wie fühlt sich dein Körper gerade an? Schwer, leicht, angespannt, leer, kribbelig? Das kann ein Hinweis auf dein Energieniveau sein.

Frage 2: Wie regenerierst du dich?

Hinweis

Körper-Anker (optional): Wie lange dauert es nach einem anstrengenden Tag, bis du dich wieder „normal" anfühlst – ruhig im Bauch, weniger angespannt in den Schultern, wieder sprechen wollen?

Energie-Räuber und Energie-Quellen

Frage 3: Was raubt dir am meisten Energie?

Frage 4: Was gibt dir Energie?

5.2 Burnout-Screening (Copenhagen Burnout Inventory, CBI)

Mit dem folgenden Test kannst du Dein persönliches Burnout-Risiko einschätzen. Bitte antworte möglichst ehrlich. Dieser Test ersetzt keine fachliche Diagnose. Dafür wendest du dich bitte an eine:n Psychotherapeut:in, eine:n Fachärzt:in oder eine:n qualifizierte:n Diagnostiker:in.

Quelle: Kristensen et al., Work & Stress 2005

Was der CBI misst – und was „Arbeit" hier bedeutet

Im CBI steht Burnout für Erschöpfung und Müdigkeit – aufgeteilt in allgemeine Erschöpfung (Persönlicher Burnout) und arbeitsbezogene Erschöpfung. Beide Skalen helfen einzuordnen, woher die Erschöpfung hauptsächlich kommt.

„Arbeit" meint hier auch Care-Arbeit. Kinderbetreuung, Pflege, Haushaltsführung, emotionale Unterstützung zählen dazu. Für autistische Menschen hat Care-Arbeit oft höhere Energiekosten: Sensorische Belastung und soziale Anforderungen addieren sich. Wenn deine Hauptbelastung im Care-Bereich liegt: Beantworte die „Arbeit"-Fragen entsprechend.

Was die Studie sagt – und Unterschied zum autistischen Burnout

Burnout-Werte sind nicht in Stein gemeißelt. In der Längsschnittstudie (Kristensen et al., 2005) haben sich Werte bei vielen Personen verbessert. Unterschiede von ~5 Punkten gelten als persönlich relevant.

Autistischer Burnout (Raymaker et al. 2020) ist ein eigenständiges Phänomen: chronisches Masking, sensorische Überlastung, Anpassungsdruck. Typisch: längere Erholung, vorübergehender Fähigkeitsrückgang, erhöhte Sensitivität. Hohe CBI-Werte können darauf hinweisen – erfassen es aber nicht vollständig.

Auswertung (für dich selbst) – sie erscheint unten, sobald du alle Fragen beantwortet hast. Du kannst jederzeit mit „Weiter“ oder über die Seitenleiste zu 5.3 (Overload-Früherkennung) wechseln.

Wie wird der CBI ausgewertet? (einblenden)

Die Auswertung folgt dem Original-CBI (Kristensen et al., 2005): Jede Antwort wird als 0, 25, 50, 75 oder 100 gewertet, dann wird der Mittelwert der Items gebildet → Skala 0–100.

  • Persönlicher Burnout (0–100) und arbeitsbezogener Burnout (0–100): Höhere Werte stehen für mehr beschriebene Erschöpfung. Für diese 0–100-Mittelwerte gibt es keine validierten Schweregrade – die Zahl ist eine grobe Orientierung, kein Befund, der sich mit deiner Situation verändert.

Bei hohen oder sehr hohen Werten empfehle ich, die Symptome von einer:m Therapeut:in oder einer:m Diagnostiker:in einschätzen zu lassen.

Hinweis zu Care-Arbeit und Erschöpfung: Wenn dein Arbeitsbezogener Burnout-Wert hoch ist und du hauptsächlich Care-Arbeit leistest: Das ist kein Zeichen, dass du „zu empfindlich" bist. Care-Arbeit hat für autistische Menschen oft deutlich höhere Energiekosten – sie wird aber gesellschaftlich selten als Belastungsquelle anerkannt. Die Screenings erfassen diese Belastung, auch wenn sie nicht von einer Erwerbsarbeit stammt.

Persönlicher Burnout

13 Fragen, ca. 5 Min.

1 / 13
Wie oft fühlst du dich müde?

Denk an die letzten Wochen.

Tippe einmal zum Wählen — die Karte zeigt „bestätigen ↵". Nochmal tippen geht weiter.

Wie oft bist du körperlich erschöpft?

Denk an die letzten Wochen.

Wie oft bist du emotional erschöpft?

Denk an die letzten Wochen.

Wie oft denkst du: „Ich halte es nicht mehr aus"?

Denk an die letzten Wochen.

Wie oft fühlst du dich ausgelaugt?

Denk an die letzten Wochen.

Wie oft fühlst du dich geschwächt und anfällig, krank zu werden?

Denk an die letzten Wochen.

Fühlst du dich am Ende eines Arbeitstages ausgelaugt?

Denk an die letzten Wochen.

Bist du am Morgen schon beim Gedanken an den bevorstehenden Arbeitstag erschöpft?

Denk an die letzten Wochen.

Empfindest du jede Arbeitsstunde als ermüdend?

Denk an die letzten Wochen.

Hast du genügend Energie für Familie und Freunde in deiner Freizeit?

Denk an die letzten Wochen.

Ist deine Arbeit emotional erschöpfend?

Denk an die letzten Wochen.

Frustriert dich deine Arbeit?

Denk an die letzten Wochen.

Fühlst du dich aufgrund deiner Arbeit ausgebrannt?

Denk an die letzten Wochen.

Deine Burnout-Auswertung

Alle 13 Fragen beantwortet. Dein Fortschritt ist gespeichert – du kannst jederzeit pausieren und später weitermachen.

5.3 Overload-Früherkennung

Was ist Overload?

Autistischer Overload entsteht, wenn sensorische, soziale oder kognitive Eindrücke die Verarbeitungskapazität übersteigen. Typische Auslöser: laute Umgebungen, viele gleichzeitige Anforderungen, unerwartete Veränderungen, intensives Masking.

Overload kann sich als Reizbarkeit, Rückzug, Sprachverlust, Weinen oder körperliche Erschöpfung äußern. Overload kann sich nach außen als Meltdown (überwältigende, nicht steuerbare Reaktion) oder nach innen als Shutdown (Erstarren, Rückzug, Sprachverlust) äußern. Bei Erwachsenen wird der Shutdown oft übersehen, weil er weniger sichtbar ist.

Erkennst du diese Anzeichen bei dir?

Deine Overload-Signatur: Welche 3 Symptome treten zuerst auf? → Notieren für Energie-Tracking.

Deine Notizen (z. B. meine 3 ersten Anzeichen):

Wie früh erkennst du diese Anzeichen?

Was hilft dir bei Overload?

5.4 Wenn der Tank leer läuft – Energie-Notfallplan (3 Tage)

Wenn deine Werte auf deutliche Erschöpfung hindeuten – oder du einfach merkst, dass du gerade nicht mehr kannst.

Dieser Plan gilt für alle Formen von Überlastung: Berufsarbeit, Care-Arbeit, soziale Erschöpfung, sensorischer Overload über Wochen – oder alles davon gleichzeitig. Er hilft dir, akute Überlastung zu reduzieren, bis du wieder handlungsfähig bist.

Woran du merkst, dass es zu viel wird (Frühwarnsignale):

  • Sensorische Überempfindlichkeit steigt – Licht, Lärm, Kleidung stören mehr als sonst
  • Sprache wird schwieriger – Sätze finden, antworten, schreiben braucht länger
  • Kleine Dinge fühlen sich riesig an
  • Rückzugsbedürfnis steigt stark an
  • Stimming intensiviert sich – als Zeichen, dass das Nervensystem Regulation braucht
  • Gefühl von Taubheit oder Leere (Shutdown), oder starke Reizbarkeit (Richtung Meltdown)

Wenn du diese Zeichen bei dir erkennst: Nicht abwarten bis es „schlimm genug" ist.

Tag 1: STOPP – Notbremse ziehen

Ziel: Energieverlust stoppen, nicht mehr verschlimmern

Wichtig: Kein Schuldgefühl. Du bist nicht faul. Du bist erschöpft. Das ist nicht das Gleiche. Weiter zu funktionieren, während du erschöpft bist, löst nichts – es verlängert nur den Overload.

Tag 2: REGENERIEREN – Nervensystem beruhigen

Ziel: Körper und Nervensystem beruhigen – keine Leistung, kein Funktionieren

Vermeide: Soziale Medien, Nachrichten, anspruchsvolle Serien oder Bücher – zu viele emotionale und kognitive Reize.

Zum Thema Care-Arbeit heute: Wenn du elterliche oder pflegerische Aufgaben heute dennoch nicht ganz abgeben kannst – reduziere auf das Minimum. Bildschirmzeit für das Kind ist heute völlig in Ordnung. Fertigessen ist heute völlig in Ordnung. Du bist heute ein erschöpfter Mensch, der Pause braucht.

Tag 3: ORIENTIEREN – Nächste Schritte planen

Ziel: Langfristige Entlastung organisieren – nicht sofort alles lösen, aber einen ersten Schritt tun

Was NICHT hilft:

  • „Einfach durchhalten" – verlängert den Overload
  • Vergleiche mit neurotypischen Standards oder anderen Menschen
  • Schuldgefühle als Motivationsstrategie einsetzen
  • Die Erschöpfung mit mehr Leistung überschreiben wollen

Danach + Notfallkontakte

Notfallkontakte (bei akuter Krise):

Nach Tag 3:

Wenn du dich stabilisiert hast, arbeite weiter an diesem Workbook. Die Selbsteinschätzungen helfen dir, langfristige Strategien zu entwickeln.

Wenn du nach 3 Tagen keine Besserung spürst: Suche dir ärztliche oder therapeutische Hilfe. Erschöpfung auf diesem Niveau ist ernst und braucht professionelle Unterstützung.


6. Masking-Screening: CAT-Q

Was ist Masking?

Masking (auch: Camouflaging) bezeichnet das bewusste oder unbewusste Verbergen autistischer Verhaltensweisen, um neurotypischen Erwartungen zu entsprechen – z. B. erzwungener Blickkontakt, Unterdrückung von Stimming, Imitieren sozialer Skripte.

Masking kostet enorm viel Energie und ist ein Hauptrisikofaktor für autistischen Burnout. Der CAT-Q (Kapitel 6) misst das Ausmaß des Maskings.

Warum masken autistische Menschen? Oft aus Schutz vor Ablehnung, um am Arbeitsplatz zu bestehen oder soziale Verbindungen zu erhalten. Masking kostet viel Energie und gilt als ein zentraler Risikofaktor für autistischen Burnout – der CAT-Q hilft, das Ausmaß einzuschätzen.

Was misst der CAT-Q? (einblenden)

Camouflaging Autistic Traits Questionnaire (CAT-Q, Hull et al. 2019) – validiertes Instrument. Er erfasst drei Subskalen: Kompensation (Strategien, um autistische Züge auszugleichen), Masking (verbergen autistischer Verhaltensweisen) und Assimilation (Anpassung an soziale Normen, auch unter Belastung).

Sprachwahl: Du kannst den Fragebogen auf Englisch (validierte Originalversion) oder auf Deutsch (freie, nicht validierte Übersetzung durch die Praxis) ausfüllen. Nur die englische Version ist wissenschaftlich validiert; die deutsche Übersetzung dient der Orientierung.

Skala (1–7): Von „stimme überhaupt nicht zu“ (1) bis „stimme voll zu“ (7).

Freie, nicht validierte Übersetzung durch die Praxis.

1 / 25  Block 1/3
Wenn ich mit jemandem interagiere, ahme ich bewusst dessen Körpersprache oder Gesichtsausdrücke nach.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Tippe einmal zum Wählen — die Karte zeigt „bestätigen ↵". Nochmal tippen geht weiter.

Ich achte auf meine Körpersprache oder Gesichtsausdrücke, damit ich entspannt wirke.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich spüre selten das Bedürfnis, eine Rolle zu spielen, um eine soziale Situation zu bestehen.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich habe ein Skript entwickelt, dem ich in sozialen Situationen folge.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich wiederhole Formulierungen, die ich andere habe sagen hören, auf genau dieselbe Art, wie ich sie gehört habe.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich passe meine Körpersprache oder Gesichtsausdrücke an, damit ich interessiert an der Person wirke, mit der ich interagiere.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

In sozialen Situationen habe ich das Gefühl, „aufzutreten", statt ich selbst zu sein.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

In meinen eigenen sozialen Interaktionen nutze ich Verhaltensweisen, die ich beim Beobachten anderer gelernt habe.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich denke immer darüber nach, welchen Eindruck ich auf andere mache.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich brauche die Unterstützung anderer, um unter Leute zu gehen.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich übe meine Gesichtsausdrücke und Körpersprache, damit sie natürlich wirken.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich spüre nicht das Bedürfnis, Blickkontakt herzustellen, wenn ich nicht möchte.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich muss mich zwingen, mit Menschen zu interagieren, wenn ich in sozialen Situationen bin.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich habe versucht, mein Verständnis von sozialen Fähigkeiten zu verbessern, indem ich andere beobachtet habe.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich achte auf meine Körpersprache oder Gesichtsausdrücke, damit ich interessiert an der Person wirke, mit der ich interagiere.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

In sozialen Situationen versuche ich, Wege zu finden, um Interaktion mit anderen zu vermeiden.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich habe die Regeln sozialer Interaktion recherchiert, um meine eigenen sozialen Fähigkeiten zu verbessern.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich bin mir immer bewusst, welchen Eindruck ich auf andere mache.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich fühle mich frei, ich selbst zu sein, wenn ich mit anderen zusammen bin.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich lerne, wie Menschen Körper und Gesichter nutzen, um zu interagieren, indem ich Fernsehen oder Filme schaue oder Fiktion lese.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich passe meine Körpersprache oder Gesichtsausdrücke an, damit ich entspannt wirke.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Wenn ich mit anderen rede, fühlt sich das Gespräch natürlich an.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Ich habe Zeit damit verbracht, soziale Fähigkeiten aus Serien und Filmen zu lernen und versuche, diese in meinen Interaktionen zu nutzen.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

In sozialen Interaktionen achte ich nicht darauf, was mein Gesicht oder mein Körper tun.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

In sozialen Situationen habe ich das Gefühl, so zu tun, als wäre ich ‚normal'.

Wie sehr trifft das auf dich zu?

Deine Masking-Auswertung

Basierend auf deinen Antworten im CAT-Q (Camouflaging Autistic Traits Questionnaire) – ein in der Forschung etabliertes Masking-Screening. Das Ergebnis wurde individuell für dich berechnet.

Alle 25 Fragen beantwortet. Dein Fortschritt ist gespeichert – du kannst jederzeit pausieren und später weitermachen.

Was hohe CAT-Q-Werte bedeuten: Chronisches Masking korreliert mit Burnout, Depression, Suizidalität. Ziel ist mehr Authentizität und weniger Anpassungsdruck:

  • Wo kann ich authentischer sein?
  • Welche Anpassungen brauche ich?
  • Masking als Überlebensstrategie verstehen – kein Versagen, kein Charaktermerkmal.

Hohe Werte beim CAT-Q? Bei hohen Werten arbeiten wir in der Beratung oft an: Energiemanagement, Reduktion von Anpassungsdruck, sicheren Räumen, authentischerem Auftreten.

Basierend auf deinen Ergebnissen: So könnte ein Erstgespräch für dich aussehen – wir besprechen deine CBI- und CAT-Q-Werte, ordnen sie ein und leiten daraus konkrete nächste Schritte ab (z. B. Energiemanagement, sichere Räume, weniger Masking). Das Erstgespräch wird an deine Selbst-Einschätzung angepasst.


7. Spektrum Münster als Ergänzung

Spektrum Münster ist passend, wenn:

  • du lebenspraktische Themen hast (Arbeit, Identität, Energie, Beziehungen)
  • du sofortige Unterstützung brauchst (keine Wartezeit)
  • du autismusgerechte Prozesse suchst (schriftlich, reizarm, direkt)

Spektrum Münster ist psychologische Beratung – keine Psychotherapie und kein Ersatz für heilkundliche Behandlung. Viele Klient:innen nutzen beides parallel: Psychotherapie für psychische Erkrankungen (Depression, Angst) und Spektrum Münster für lebenspraktische Themen (Arbeit, Identität, Energie). Beides schließt sich nicht aus.

Unsicher? Schreib an kontakt@spektrum-muenster.de.


8. Vorbereitung auf das Erstgespräch

8.1 Was passiert im Erstgespräch?

Ablauf (50 Minuten):

1. Ankommen (5 Min): Technik-Check, kurze Orientierung

2. Anliegen klären (20 Min): Was beschäftigt dich? Was ist dein Ziel?

3. Kontext verstehen (15 Min): Wie sieht deine aktuelle Situation aus?

4. Nächste Schritte (10 Min): Was könnte hilfreich sein? Wie möchtest du weitermachen?

Du bestimmst:

  • Das Tempo
  • Die Tiefe
  • Die Themen

Du erhältst:

  • Schriftliche Agenda 24 Stunden vorher per E-Mail
  • Schriftliche Zusammenfassung binnen 48 Stunden nachher per E-Mail

8.2 Fragen, die du stellen kannst

  • Wie oft sollte ich kommen?
  • Wie funktioniert das Solidarmodell genau?
  • Kann ich auch schriftlich kommunizieren statt mündlich?
  • Was sind deine Grenzen (was kannst du nicht anbieten)?

8.3 Was du mitbringen kannst

Optional (nicht erforderlich):

  • Notizen zu deinem Anliegen
  • Fragen, die du stellen möchtest
  • Dokumente, die relevant sein könnten (z.B. Diagnosebericht, Arbeitsplatz-Beschreibung)
  • Stimming-Material oder Gegenstände zur Regulierung (z.B. Fidget, Plüschtier, Decke) — bei Präsenzterminen ausdrücklich willkommen

Wichtig:

  • Du musst nichts vorbereiten
  • Du kannst jederzeit Fragen stellen
  • Du kannst jederzeit eine Pause machen

8.4 Checkliste vor dem Erstgespräch

Technik (bei Online-Gespräch):

Vorbereitung:

Für dich:

8.5 Was passiert nach dem Erstgespräch?

Du erhältst:

  • Schriftliche Zusammenfassung binnen 48 Stunden per E-Mail
  • Strukturierte Übersicht zu möglichen nächsten Schritten

Mögliche nächste Schritte (du entscheidest):

  • Weitere Einzelberatung im gewählten Rhythmus (z.B. zwei- oder vierwöchig)
  • Oder du lässt alles wirken und meldest dich später wieder

Wichtig: Es gibt keine Verpflichtung. Du bestimmst, ob und wie du weitermachst.


9. Was, wenn es nicht passt? Exit-Strategie ohne Schuldgefühle

Wichtig vorab: Es ist völlig okay, nach dem Erstgespräch (oder nach mehreren Sitzungen) zu sagen: „Das passt nicht für mich."

9.1 Wann könnte es nicht passen?

9.2 Wie sage ich ab?

Du kannst einfach nicht antworten – ich interpretiere das als „passt nicht, danke". Auch nach 3, 5 oder 10 Sitzungen kannst du jederzeit pausieren oder beenden.

Wenn du explizit Rückmeldung geben möchtest (hilft mir, aber kein Muss):

E-Mail-Vorlage:

  • Die Beratung passt aktuell nicht zu meiner Situation
  • Ich brauche erstmal etwas anderes (z.B. Therapie / Pause)
  • Zwischenmenschlich passt es nicht
  • Ich habe gerade keine Kapazität
  • Ich möchte erstmal das Erarbeitete umsetzen
  • [Anderer Grund]
Betreff: Rückmeldung / Pause / Beendigung der Beratung
Hallo Herr Roth,
ich möchte die Beratung [beenden / pausieren], weil [Grund – optional]:
Mit freundlichen Grüßen
[Name]

9.3 Was passiert dann?

Keine negativen Konsequenzen.

  • Dass Klient:innen kommen und gehen - auch ohne sich zurückzumelden - ist Teil des Prozesses.
  • Ich werde weder Nachfragen stellen noch um ein „klärendes Gespräch" bitten.
  • Die Tür bleibt offen: Du kannst dich später wieder melden, wenn sich etwas ändert.
  • Deine Daten: Gesetzlich 10 Jahre Aufbewahrung, danach automatische Löschung. Details: Datenschutzerklärung.

9.4 Keine Schuldgefühle

Du schuldest mir keine Erklärung.

Du schuldest mir keine Fortsetzung.

Du schuldest mir keine Loyalität.

Beratung ist eine Dienstleistung. Wenn sie nicht passt, ist das okay.

9.5 Was, wenn ich unsicher bin?

Wenn du nach dem Erstgespräch oder nach einigen Sitzungen unsicher bist, ob du weitermachen möchtest:

  • Option 1: Pause machen (4-8 Wochen), dann neu entscheiden
  • Option 2: Im nächsten Termin thematisieren: „Ich bin unsicher, ob das noch passt"
  • Option 3: Reduzierte Frequenz (statt alle 2 Wochen → alle 4-6 Wochen)

Du musst nicht sofort entscheiden.


10. Nächste Schritte

10.1 Deine Entscheidung

Du darfst in deinem Tempo vorangehen. Auch wenn du jetzt noch nicht buchen möchtest – deine Fortschritte bleiben gespeichert.

Nach dem Durcharbeiten dieses Workbooks:

Deine Notizen:

10.2 Verfügbarkeit und Buchung

Verfügbarkeit:

  • Dienstag 13:00–17:00 Uhr
  • Mittwoch 9:00–13:00 Uhr
  • Donnerstag 13:00–17:00 Uhr
  • Samstag 9:00–13:00 Uhr
  • Online
  • Präsenz in Münster

Formate und Preise:

Einzelberatung

Format Details
Erstgespräch (50 Min) Zielklärung, bis zu 2 Sitzungen möglich
Basis: 67,90 € · Regel: 79,90 €
Einzelberatung (50 Min) Laufende Beratung ab 3. Sitzung
Basis: 109 € · Regel: 129 €

Paarberatung (auf Anfrage)

Format Details
Erstgespräch Paar (90 Min) Zielklärung, bis zu 2 Sitzungen möglich
209 € pro Sitzung
Paarberatung (90 Min) Laufende Beratung ab 3. Sitzung
249 € pro Sitzung

10.3 Feedback

Feedback ist ausdrücklich willkommen. Das Workbook basiert auf meiner Erfahrung mit der Zielgruppe, hat aber den meisten Wert, wenn Betroffene selbst Feedback geben und ich dies einbauen kann.

Ich bin sehr interessiert an deinem Feedback:

  • Was war hilfreich?
  • Was fehlt?
  • Was war verwirrend?
  • Was könnte besser formuliert werden?
  • Welche Themen sollten ergänzt werden?

Ich freue mich über eine kurze E-Mail mit deinen Gedanken.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast!


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11. Therapeut:innen-Brief

Dieser Abschnitt erstellt einen vorstrukturierten Brief für dein Erstgespräch bei Therapeut:innen oder Ärzt:innen. Der Text wird automatisch aus deinen Angaben befüllt – CBI-Score, CAT-Q-Score, angekreuzte Belastungsfaktoren und Notizen.

Wichtig: Das ist eine Gesprächsvorbereitung, keine Diagnose und kein Arztbrief. Du kannst den Text vor dem Drucken noch anpassen.

11.1 Warum ein Brief?

Der Weg zur Diagnostik oder Therapie scheitert oft an einer einzigen Hürde: das eigene Erleben in Worte zu fassen – besonders unter dem Druck einer Sprechstunde. Autistische Menschen berichten häufig, dass sie im Gespräch „blank ziehen" oder nicht wissen, wo sie anfangen sollen.

Dieser Brief nimmt dir diese Arbeit ab. Er fasst deine Screening-Ergebnisse in einer Sprache zusammen, die Fachpersonen kennen, und benennt konkret, was du dir von dem Gespräch erhoffst.

Hinweis

Du musst den Brief nicht vorlesen. Du kannst ihn einfach mitbringen und sagen: „Ich habe das hier vorbereitet."

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11.2 Dein Brief


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12. Mein Autismus-Profil

Hier siehst du deine Ergebnisse aus dem Workbook auf einen Blick – visualisiert als Profil. Es geht nicht darum, gut oder schlecht abzuschneiden. Es geht darum zu verstehen, wie du konfiguriert bist.

12.1 Dein Profil-Diagramm

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12.2 Dein persönliches Profil-Dokument

Dieses Dokument fasst deine Workbook-Eingaben zusammen – als persönliches Orientierungsmaterial, das du mitnehmen, teilen oder aufbewahren kannst.


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13. Energie-Tagebuch

Das Energie-Tagebuch ermöglicht es dir, deinen Energiehaushalt über Zeit zu beobachten. Vier kurze Einschätzungen pro Tag – keine Texte, keine Bewertungen. Nur Daten.

Warum das hilfreich sein kann: Interozeptionsschwierigkeiten machen es vielen autistischen Menschen schwer, Erschöpfung rechtzeitig zu bemerken. Ein täglicher Check-In mit konkreten Zahlen gibt dir eine externe Rückmeldung – und nach einigen Wochen beginnen Muster sichtbar zu werden.

Deine Daten bleiben lokal. Alle Einträge werden ausschließlich auf deinem Gerät gespeichert und verlassen es nicht.

13.1 Heutiger Eintrag

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13.2 Wochenübersicht

Noch keine Einträge vorhanden. Speichere deinen ersten Eintrag oben.

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13.3 Muster & Durchschnitte

Muster werden sichtbar, sobald mindestens zwei Einträge pro Wochentag vorhanden sind.

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14. Gesprächsszenarien

Nutze diese Szenarien als mentale Probe vor schwierigen Gesprächen. Ziel ist nicht, perfekt zu reagieren, sondern handlungsfähig zu bleiben.

Verfügbare Szenarien

  • Szenario 1: Erstgespräch Therapeut:in
  • Szenario 2: Offenlegung Arbeitgeber
  • Szenario 3: Gespräch mit Partner:in
  • Szenario 4: Gespräch mit Familie

Literaturverzeichnis

Instrumente & Studien

  • Hull, L., Petrides, K. V., Allison, C., Smith, P., Baron-Cohen, S., Lai, M.-C., & Mandy, W. (2019). Development and validation of the Camouflaging Autistic Traits Questionnaire (CAT-Q). Journal of Autism and Developmental Disorders, 49(3), 819–833. https://doi.org/10.1007/s10803-018-3792-6
  • Kristensen, T. S., Borritz, M., Villadsen, E., & Christensen, K. B. (2005). The Copenhagen Burnout Inventory: A new tool for the assessment of burnout. Work & Stress, 19(3), 192–207. https://doi.org/10.1080/02678370500297720
  • Raymaker, D. M., Teo, A. R., Steckler, N. A., Lentz, B., Scharer, M., Delos Santos, A., Kapp, S. K., Hunter, M., Joyce, A., & Nicolaidis, C. (2020). „Having all of your internal resources exhausted beyond measure and being left with no clean-up crew”: Defining autistic burnout. Autism in Adulthood, 2(2), 132–143. https://doi.org/10.1089/aut.2019.0079

Konzepte & Hintergrund

Weitere genutzte Quellen

  • EUTB – Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung: eutb.de
  • Therapie.de – CBI-Burnout-Test: therapie.de
  • Autismus Deutschland e. V.: autismus.de