Seite 1 von 1

Spektrum Workbook

Psychologische Beratung für autistische Erwachsene


Willkommen

Du oder Sie? In diesem Workbook verwende ich durchgehend „du“ – reizarm und persönlich. In der Beratung spreche ich dich zunächst mit „Sie“ an; wenn du möchtest, können wir auf „Du“ umsteigen.

Dieses Workbook habe ich für dich entwickelt – es ist dein erster Schritt zur Orientierung. Beratung, keine Therapie, für Themen wie Arbeit, Energie, Identität und Beziehungen.

Es hilft dir:

  • Zu verstehen, was Beratung bei Spektrum Münster bedeutet
  • Selbst einzuschätzen, welche Themen für dich relevant sind (z. B. Burnout, Masking, Beruf)
  • Zu entscheiden, ob ein Erstgespräch zu diesem Zeitpunkt sinnvoll ist
  • Sich vorzubereiten, falls du buchen möchtest

Was passiert, wenn du dieses Workbook nutzt? Du durchläufst strukturierte Schritte: Selbsteinschätzung zu Energie und Burnout, ein Screening zu Masking (CAT-Q), und einen Passungs-Check. Am Ende hast du eine klare Einschätzung – ob ein Erstgespräch sinnvoll ist oder ob zunächst andere Schritte passender sind. Du entscheidest in deinem Tempo.

Du bestimmst das Tempo. Keine Fristen. Pausen jederzeit möglich. Dein Fortschritt wird gespeichert.

Ideal für dich: (A) Nur Screenings – Kapitel 5 und 6 durchlaufen, wenn du vor allem Burnout- und Masking-Werte kennenlernen möchtest. (B) Voller Durchlauf – wenn du auch Passungs-Check (Kapitel 2–4) und Vorbereitung (Kapitel 9) nutzen möchtest.

Reizarm gestaltet: Klare Struktur, direkte Sprache, keine Metaphern.


39Seiten
~20Min
13Kapitel

1. Was ist Spektrum Münster?

1.1 Für wen ist Spektrum Münster da?

Primäre Zielgruppe:

  • Autistische Erwachsene ab 18 Jahren
  • Diagnostiziert, in Diagnostik oder mit begründetem Verdacht
  • Verbal ausdrucksfähig (mündlich oder schriftlich)
  • Durchschnittliche Kognition

Hauptanliegen:

  • Arbeitsplatz-Navigation
  • Burnout-Prävention & Energiemanagement
  • Identität & Selbstwert nach (Spät-)Diagnose
  • Soziale Beziehungen & Partnerschaft
  • Berufliche Neuorientierung

Was Spektrum Münster nicht anbietet:

  • Akute Krisenintervention (→ Krisendienste, Notfallnummern)
  • Behandlung psychischer Erkrankungen (→ Psychotherapie)
  • Diagnostik (→ Fachärzt:innen, Diagnostikstellen)
  • Rechtliche Beratung (→ Rechtsanwält:innen)

1.2 Autismusgerechte Prozesse

Was bedeutet das konkret?

  • Vorhersehbarkeit: Schriftliche Agenda 24 Stunden vor jeder Sitzung per E-Mail
  • Dokumentation: Schriftliche Zusammenfassung binnen 48 Stunden nach jeder Sitzung
  • Sensorische Anpassung: Reizarme Räume 2026 geplant, Flexibilität bei Modalität (online/Präsenz). Präsenz wird 2026 aufgebaut – Interessent:innen können sich per E-Mail an kontakt@spektrum-muenster.de in die Interessent:innen-Liste eintragen lassen.
  • Direkte Kommunikation: Kein Small Talk erforderlich, direkte Sprache ohne Metaphern
  • Autonomie: Du bestimmst Thema, Tempo, Tiefe

Haltung: Neurodiversitätsaffirmative Beratung. Community-orientiert und wissenschaftlich fundiert. Autismus ist eine neurologische Variante, keine Störung.

1.3 Solidarisches Preismodell

Menschen mit höherem Einkommen zahlen mehr, damit auch Menschen mit niedrigerem Einkommen Zugang haben. Du wählst selbst, welche Preisstufe zu deiner Situation passt – ohne Nachweise, ohne Kontrolle.

Basis- und Regelbeitrag

Beitragsstufe Für wen eignet sich die Stufe?
Basisbeitrag Wenn finanzielle Spielräume eher knapp sind, z. B. Studium, Ausbildung, Teilzeit, befristete Verträge, Familienverantwortung.
Regelbeitrag Wenn deine finanzielle Situation stabil ist, z. B. unbefristete Vollzeit, durchschnittliches Einkommen, Doppelverdienende.
Beitragsstufe Erstgespräch (50 Min) Einzelberatung (50 Min)
Basisbeitrag 67,90€ 109€
Regelbeitrag 79,90€ 129€

Selbstbestimmte Preiswahl: Du wählst die Stufe, die zu deiner aktuellen Situation passt. Keine Nachweise oder Begründungen erforderlich. Ziel ist ein faires Modell, in dem Menschen mit stabileren finanziellen Möglichkeiten andere mittragen.

Das Solidarmodell in der Praxis

  • Alex M. – Arbeitet 30 Stunden in einem befristeten Vertrag und trägt Familienkosten mit. Alex entscheidet sich für den Basisbeitrag: Erstgespräch 67,90 €, Einzelberatung 109,00 €. Passt gut, wenn finanzielle Spielräume eher knapp sind.
  • Robin T. – Arbeitet unbefristet in Vollzeit und hat ein stabiles Einkommen. Robin wählt den Regelbeitrag: Erstgespräch 79,90 €, Einzelberatung 129,00 €. Ideal, wenn die finanzielle Lage solide ist.

Wichtig: Die finanzielle Situation hängt nicht nur vom Einkommen ab, sondern auch von Wohnkosten, Kindern, Pflegeverantwortung, Schulden und anderen Faktoren. Du kennst deine Situation am besten.

Perspektivisch sind zwei weitere Preisstufen geplant (Zugangs- und Solidarbeitrag).

Es gibt keine falsche Wahl. Du kannst jederzeit die Preisstufe anpassen, wenn sich deine Situation ändert.

1.4 Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich eine Autismus-Diagnose?

Nein. Du kannst auch mit Verdacht oder in Diagnostik Beratung nutzen. Wichtig ist, dass du dich im Autismus-Spektrum wiederfindest.

Wie oft sollte ich kommen?

Das bestimmst du. Typischer Start: alle 2–3 Wochen, später flexibler. Manche kommen alle 2 Wochen, andere alle 4 Wochen, wieder andere nur bei Bedarf. Es gibt keine Verpflichtung.

Kann ich auch online kommen?

Ja. Alle Beratungen können online stattfinden. Präsenz wird 2026 aufgebaut – Interessent:innen können sich per E-Mail an kontakt@spektrum-muenster.de in die Interessent:innen-Liste eintragen lassen.


2. Selbst-Check: Ist mein Anliegen relevant?

Viele autistische Menschen zweifeln, ob ihre Situation "schlimm genug" ist für Unterstützung. Dieser Check hilft bei der Einordnung.

Trifft mindestens eines zu?

Auswertung:

2+ Punkte: Dein Anliegen ist valide. Du musst nicht am Boden sein, um Unterstützung zu verdienen. Prävention ist besser als Krisenintervention. Ein Erstgespräch kann dir bei der Klärung helfen – unverbindlich, 50 Minuten.

1 Punkt: Dein Anliegen könnte relevant sein. Das Erstgespräch hilft bei der Klärung. Termin buchen oder E-Mail schreiben, wenn du Fragen hast.

0 Punkte: Möglicherweise ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt – oder du hast bereits gute Strategien.

Wichtig: Dieser Check ersetzt keine professionelle Einschätzung.


3. Typische Startsituationen – Peer-Perspektiven

Anonymer Rückblick auf typische Anliegen und Verläufe aus der Beratungspraxis.

3.1 Profil A: Nach Burnout – Fokus Arbeitsplatz

Ausgangssituation:

Ende 30, IT-Branche, nach 3 Monaten AU wegen Erschöpfung. Rückkehr an den Arbeitsplatz steht bevor. Sorge vor erneutem Zusammenbruch.

Fokus der Beratung:

  • Energiemanagement-Strategien entwickeln
  • Nachteilsausgleich vorbereiten (Home-Office, reduzierte Stunden)
  • Kommunikation mit Arbeitgeber üben
  • Frühwarnsignale für Overload erkennen

Was geholfen hat:

Bewusster Umgang mit Masking, wöchentliches Energie-Tracking, klare Grenzen bei Meetings.

Zeitrahmen: 6 Monate, alle 2-3 Wochen, dann Pause. Sporadische Termine bei Bedarf.


3.2 Profil B: Nach Spätdiagnose – Fokus Identität

Ausgangssituation:

Mitte 40, Diagnose mit 42. Jahrzehntelanges Masking hat Selbstbild geprägt. Frage: "Wer bin ich ohne Maske?"

Fokus der Beratung:

  • Masking-Muster identifizieren (CAT-Q als Ausgangspunkt)
  • Autistische Identität integrieren
  • Umgang mit Trauer über "verlorene Jahre"
  • Schrittweise Authentizität in verschiedenen Lebensbereichen

Was geholfen hat:

Reflexion über internalisierte Ablehnungsmuster, Ausprobieren von weniger Masking in sicheren Kontexten, Verbindung zu autistischer Community.

Zeitrahmen: 8 Monate, anfangs wöchentlich, später alle 4 Wochen. Längere Pausen dazwischen.


3.3 Profil C: Elternschaft & Care-Arbeit – Fokus Familienalltag und Energie

Ausgangssituation:

Anfang 30, ein Kind (3 Jahre). Der Alltag besteht aus Kindergartenabholungen, Spielplätzen, Kita-Festen, Elterngesprächen, unvorhergesehenen Strukturbrüchen. Dazu: ein neurotypischer Partner, der nach einem Kindergeburtstag innerhalb von zwei Stunden wieder erholt ist – während die autistische Person noch am nächsten Tag braucht, um wieder sprechen zu können.

Kernproblem:

Care-Arbeit wird selten als das anerkannt, was sie ist: echte Arbeit mit echten sensorischen und sozialen Energiekosten. Kinderlärm, Unvorhersehbarkeit, emotionale Regulationsarbeit für das Kind, öffentliche Orte – das addiert sich. Für autistische Elternteile oft deutlich stärker als für neurotypische.

Fokus der Beratung:

  • Care-Arbeit als messbare Erschöpfungsquelle benennen – nicht kleinreden
  • Eigene Erholungszeiten als nicht-verhandelbaren Bedarf kommunizieren
  • Aufgabenteilung nach tatsächlichen Energiekosten neu verhandeln (nicht nach „Fairness" im neurotypischen Sinne)
  • Frühwarnsignale für Overload im Familienalltag erkennen – bevor Meltdown oder Shutdown einsetzen
  • Unterschied erklären: „Ich kann nicht mehr" ist kein Vorwurf, kein Versagen, kein schlechtes Elternteil

Was geholfen hat:

Wochenplan mit fest eingebauten Pufferzeiten, explizite Absprachen zur Aufgabenteilung (schriftlich, nicht im Kopf), eine Spielplatz-Strategie: Wann? Wie lange? Was hilft danach zur Regulation? Einmalig ein gemeinsames Gespräch mit Partner:in, um Energieunterschiede zu erklären.

Zeitrahmen: 6 Monate, alle 2 Wochen. Dann Pause, dann sporadisch bei neuen Lebensphasen.


3.4 Profil D: Berufliche Neuorientierung – Fokus Karriereplanung

Ausgangssituation:

Ende 20, Job im Marketing nicht passend (zu viele soziale Anforderungen, zu wenig Struktur). Wunsch nach Wechsel, aber Unsicherheit über Alternativen.

Fokus der Beratung:

  • Stärken- und Interessenanalyse
  • Autismus-kompatible Berufsfelder erkunden
  • Bewerbungsprozess autismusgerecht gestalten
  • Umgang mit Vorstellungsgesprächen

Was geholfen hat:

Klarheit über eigene Werte und Non-Negotiables, Simulation von Bewerbungsgesprächen, Netzwerk-Strategien ohne Networking-Events.

Zeitrahmen: 5 Monate, alle 2 Wochen während aktiver Jobsuche. Nach Jobwechsel beendet.


3.5 Profil E: Prävention – Fokus Stabilisierung

Ausgangssituation:

Mitte 50, stabile Lebenssituation, aber Sorge vor schleichendem Burnout. Möchte präventiv Strategien entwickeln.

Fokus der Beratung:

  • Energiehaushalt langfristig optimieren
  • Frühwarnsysteme etablieren
  • Selbstfürsorge-Routinen aufbauen
  • Soziale Verpflichtungen reduzieren

Was geholfen hat:

Regelmäßige Check-ins (monatlich), Entwicklung eines "Energie-Budgets", klare Absagen ohne Schuldgefühle.

Zeitrahmen: Laufend, alle 4-6 Wochen. Flexible Fortführung nach Bedarf – pausierbar jederzeit.


3.6 Profil F: Ambivalenz & Zweifel – „Gehöre ich überhaupt dazu?"

Ausgangssituation:

Mitte 30. Hat in den letzten Monaten viel über Autismus gelesen – und sich in fast allem wiedererkannt. Aber gleichzeitig: „Ich funktioniere doch. Ich studiere, ich arbeite, ich führe Gespräche. Vielleicht bilde ich mir das alles ein."

Typische Gedanken:

  • „Ohne offizielle Diagnose nehme ich mir einen Platz weg, der jemand anderem wirklich zusteht."
  • „Was, wenn das alles Einbildung ist?"
  • „Ich simuliere das nur, um eine Erklärung für mein Scheitern zu haben."
  • „Meine Probleme sind doch nicht schlimm genug."

Was diese Person hemmt:

Kein offizieller Stempel. Vergleich mit Klischeebildern von Autismus (die nicht passen). Angst, als Betrügerin oder Betrüger enttarnt zu werden. Das Gefühl, erst „krank genug" sein zu müssen, um Unterstützung annehmen zu dürfen.

Fokus der Beratung:

  • Diagnose als Werkzeug verstehen, nicht als Türsteher: Begründeter Verdacht reicht für Beratung aus
  • Funktionieren nach außen und innere Erschöpfung existieren gleichzeitig – das ist kein Widerspruch
  • Was bedeuten die eigenen Erfahrungen, unabhängig von einem Label?
  • Selbstakzeptanz ohne externe Bestätigung entwickeln

Was geholfen hat:

Erkennen, dass Masking nach außen „funktionierend" wirken lässt, aber Energie kostet. Erste Gespräche ohne Selbstrechtfertigung führen. Das eigene Erleben ernst nehmen – nicht erst, wenn andere es bestätigen.

Zeitrahmen: 4–5 Monate, alle 3–4 Wochen.


Hinweis: Diese Profile zeigen typische Verläufe, aber jeder Prozess ist individuell. Manche Menschen brauchen 3 Sitzungen, andere begleite ich über Jahre hinweg sporadisch.


4. Passungs-Interview

Dieses Interview hilft dir, zu prüfen, ob Beratung bei Spektrum Münster zu dir passt. Es gibt keine "richtigen" oder "falschen" Antworten.

4.1 Dein aktuelles Anliegen

Was beschäftigt dich gerade am meisten?

Wie würdest du deine aktuelle Belastung beschreiben?

Was hast du bereits ausprobiert?

4.2 Deine Präferenzen für Beratung

Wie möchtest du kommunizieren?

Wie strukturiert soll die Beratung sein?

Wie oft möchtest du Beratung in Anspruch nehmen?

4.3 Deine Erwartungen

Was erhoffst du dich von der Beratung?

Was ist dir in der Beratung wichtig?

4.4 Mögliche Barrieren

Gibt es etwas, das dich davon abhält, Beratung zu nutzen?

Was würde dir helfen, diese Barrieren zu überwinden?

4.5 Passungs-Checkliste

Bitte beantworte für dich selbst:

Wenn du 4–5 Punkte angekreuzt hast: Beratung könnte gut zu dir passen. Erstgespräch buchen – oder erst weiterlesen und sich vorbereiten.

Wenn du weniger als 4 Punkte angekreuzt hast: Vielleicht ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, oder ein anderes Format wäre passender.


5. Selbsteinschätzung: Energie & Burnout

Fachbegriffe in diesem Kapitel – hier nachschlagen:

▶ Autistischer Burnout

Ein Erschöpfungszustand, der durch anhaltende Überlastung autistischer Ressourcen entsteht – durch chronisches Masking, sensorische Dauerbelastung und den Druck, neurotypischen Normen zu entsprechen. Nicht identisch mit beruflichem Burnout. Typisch: Längere Erholungsphasen als erwartet, vorübergehender Fähigkeitsrückgang (z. B. Sprache, Selbstversorgung), erhöhte sensorische Empfindlichkeit. Quelle: Raymaker et al. (2020).

▶ Masking

Autistische Verhaltensweisen, Bedürfnisse oder Eigenheiten bewusst oder unbewusst verbergen, um als „normal" zu wirken. Masking kostet viel Energie, schützt kurzfristig vor Ablehnung und ist ein Hauptrisikofaktor für autistischen Burnout. Kein Vorwurf – es ist eine Überlebensstrategie, die viele autistische Menschen unbewusst entwickeln.

▶ Stimming

Selbststimulierendes Verhalten: Schaukeln, Wippen, Summen, Tippen, Fidgeting, Repetitive Bewegungen oder Geräusche. Stimming ist Selbstregulation – es hilft dem Nervensystem, Erregung zu verarbeiten. Es ist normal, hilfreich und kein Rückschritt. Unterdrücken von Stimming kostet Energie und kann Overload verstärken.

▶ Meltdown und Shutdown

Beide sind Überlastungsreaktionen – kein Kontrollverlust aus Absicht, kein Wutanfall.

Meltdown: Überwältigende Reaktion auf sensorische oder emotionale Überbelastung. Kann sich nach außen als starke Gefühlsreaktion zeigen. Nicht kontrollierbar in dem Moment.

Shutdown: Rückzug nach innen – Bewegungslosigkeit, Sprachverlust (selektiver Mutismus möglich), Taubheitsgefühl. Auch eine Überlastungsreaktion, oft weniger sichtbar.

Beide brauchen Rückzug und Erholung – keine Erklärungen und keine Entschuldigungen.

▶ Monotropismus

Die Tendenz, sich intensiv und tief auf ein Thema oder eine Tätigkeit zu fokussieren – oft als Spezialinteresse erlebt. Stärke (Tiefe, Expertise, Flow) und Herausforderung gleichzeitig (Aufgabenwechsel, Unterbrechungen kosten mehr Energie). Monotropismus ist kein Defizit, sondern ein anders geformter Aufmerksamkeitsstil.

▶ Neurodiversität

Das Konzept, dass neurologische Unterschiede – Autismus, ADHS, Legasthenie u.a. – natürliche Variationen menschlicher Gehirne sind, keine Defekte oder Krankheiten. Neurodiversitätsaffirmative Praxis arbeitet mit diesen Unterschieden, nicht gegen sie.

▶ Spoon Theory (Löffeltheorie)

Eine Metapher zur Veranschaulichung begrenzter Energie: Jeder Löffel steht für eine Einheit Energie. Wer chronisch erschöpft ist oder erhöhte Energiekosten hat (z. B. durch sensorische Belastung, Masking, Care-Arbeit), hat pro Tag weniger Löffel zur Verfügung – und muss priorisieren, was davon investiert wird. Erfunden 2003 von Christine Miserandino.

▶ Nachteilsausgleich

Offizielle Anpassungen am Arbeitsplatz oder in Bildungseinrichtungen, auf die Menschen mit anerkannter Behinderung oder chronischer Erkrankung einen Anspruch haben können – z. B. Home-Office, verlängerte Arbeitszeiten, technische Hilfsmittel, Assistenz. Zuständig: Integrationsamt / IFD (Integrationsfachdienst). Diagnose oder begründeter Verdacht kann Ausgangspunkt sein.


5.1 Energie-Level-Check

„Spoons“ – Was ist die Löffel-Theorie? (einblenden)

Was sind „Spoons"? Die „Löffel-Theorie" (Spoon Theory) ist ein Gedankenexperiment, um begrenzte Energie im Alltag zu veranschaulichen: Jeder Löffel steht für eine Einheit Energie. Wer chronisch krank oder dauerhaft erschöpft ist, hat nur eine begrenzte Anzahl „Löffel" pro Tag – für jede Tätigkeit wird einer verbraucht. So wird sichtbar, warum manche Menschen priorisieren müssen und warum nicht sichtbare Einschränkungen trotzdem stark belasten können. Erfunden hat die Metapher 2003 die US-Amerikanerin Christine Miserandino (Lupus, Fibromyalgie); sie hat sich vor allem unter Menschen mit chronischen Krankheiten und Behinderungen verbreitet.

Wie ist dein aktueller Energiehaushalt?

Frage 1: Wie viele „Spoons" (Energieeinheiten) hast du heute?

Frage 2: Wie regenerierst du dich?

Frage 3: Was raubt dir am meisten Energie?

Frage 4: Was gibt dir Energie?

5.2 Burnout-Screening (Copenhagen Burnout Inventory, CBI)

Mit dem folgenden Test kannst du Dein persönliches Burnout-Risiko einschätzen. Bitte antworte möglichst ehrlich. Dieser Test ersetzt keine fachliche Diagnose. Dafür wendest du dich bitte an eine:n Psychotherapeut:in, eine:n Fachärzt:in oder eine:n qualifizierte:n Diagnostiker:in.

Quelle: Kristensen et al. (Copenhagen Burnout Inventory), Work & Stress 2005; therapie.de

▶ Was der CBI misst – und was „Arbeit" hier bedeutet

Im CBI steht Burnout für Erschöpfung und Müdigkeit – aufgeteilt in allgemeine Erschöpfung (Persönlicher Burnout) und arbeitsbezogene Erschöpfung. Beide Skalen helfen einzuordnen, woher die Erschöpfung hauptsächlich kommt.

„Arbeit" meint hier auch Care-Arbeit. Kinderbetreuung, Pflege, Haushaltsführung, emotionale Unterstützung zählen dazu. Für autistische Menschen hat Care-Arbeit oft höhere Energiekosten: Sensorische Belastung und soziale Anforderungen addieren sich. Wenn deine Hauptbelastung im Care-Bereich liegt: Beantworte die „Arbeit"-Fragen entsprechend.

▶ Was die Studie sagt – und Unterschied zum autistischen Burnout

Burnout-Werte sind nicht in Stein gemeißelt. In der Längsschnittstudie (Kristensen et al., 2005) haben sich Werte bei vielen Personen verbessert. Unterschiede von ~5 Punkten gelten als persönlich relevant.

Autistischer Burnout (Raymaker et al. 2020) ist ein eigenständiges Phänomen: chronisches Masking, sensorische Überlastung, Anpassungsdruck. Typisch: längere Erholung, vorübergehender Fähigkeitsrückgang, erhöhte Sensitivität. Hohe CBI-Werte können darauf hinweisen – erfassen es aber nicht vollständig.

Persönlicher Burnout

13 Fragen, ca. 5 Min.  

1 / 13
Wie oft fühlst du dich müde?
nie / sehr seltensehr oft
Wie oft bist du körperlich erschöpft?
nie / sehr seltensehr oft
Wie oft bist du emotional erschöpft?
nie / sehr seltensehr oft
Wie oft denkst du: „Ich halte es nicht mehr aus"?
nie / sehr seltensehr oft
Wie oft fühlst du dich ausgelaugt?
nie / sehr seltensehr oft
Wie oft fühlst du dich geschwächt und anfällig, krank zu werden?
nie / sehr seltensehr oft

Arbeitsbezogener Burnout („Arbeit" = beruflich und/oder Care-Arbeit – was bei dir zutrifft)

Fühlst du dich am Ende eines Arbeitstages ausgelaugt?
nie / sehr seltensehr oft
Bist du am Morgen schon beim Gedanken an den bevorstehenden Arbeitstag erschöpft?
nie / sehr seltensehr oft
Empfindest du jede Arbeitsstunde als ermüdend?
nie / sehr seltensehr oft
Hast du genügend Energie für Familie und Freunde in deiner Freizeit?
nie / sehr seltensehr oft
Ist deine Arbeit emotional erschöpfend?
in sehr geringem Maßin sehr hohem Maß
Frustriert dich deine Arbeit?
in sehr geringem Maßin sehr hohem Maß
Fühlst du dich aufgrund deiner Arbeit ausgebrannt?
in sehr geringem Maßin sehr hohem Maß
Bitte wählen
Alle 13 Fragen beantwortet. Dein Fortschritt ist gespeichert – du kannst jederzeit pausieren und später weitermachen.

Auswertung (für dich selbst) – sie erscheint unten nach Beantwortung aller Fragen. Du kannst jederzeit mit „Weiter“ oder über die Seitenleiste zu Kapitel 6 wechseln.

Wie wird der CBI ausgewertet? (einblenden)

Die Auswertung folgt dem Original-CBI (Kristensen et al., 2005): Jede Antwort wird als 0, 25, 50, 75 oder 100 gewertet, dann wird der Mittelwert der Items gebildet → Skala 0–100.

  • Persönlicher Burnout (0–100): Orientierungswerte: 0–25 niedrig; 26–50 mittel; 51–75 hoch; 76–100 sehr hoch.
  • Arbeitsbezogener Burnout (0–100): Orientierungswerte: 0–25 niedrig; 26–50 mittel; 51–75 hoch; 76–100 sehr hoch.

Bei hohen oder sehr hohen Werten empfehle ich, die Symptome von einer:m Therapeut:in oder einer:m Diagnostiker:in einschätzen zu lassen.

Hinweis zu Care-Arbeit und Erschöpfung: Wenn dein Arbeitsbezogener Burnout-Wert hoch ist und du hauptsächlich Care-Arbeit leistest: Das ist kein Zeichen, dass du „zu empfindlich" bist. Care-Arbeit hat für autistische Menschen oft deutlich höhere Energiekosten – sie wird aber gesellschaftlich selten als Belastungsquelle anerkannt. Die Screenings erfassen diese Belastung, auch wenn sie nicht von einer Erwerbsarbeit stammt.

Nächster Schritt: Erstgespräch buchen – hier können wir Dein Ergebnis einordnen und nächste Schritte ableiten.

5.3 Overload-Früherkennung

Was ist Overload? (Erklärung einblenden)

Autistischer Overload entsteht, wenn sensorische, soziale oder kognitive Eindrücke die Verarbeitungskapazität übersteigen. Typische Auslöser: laute Umgebungen, viele gleichzeitige Anforderungen, unerwartete Veränderungen, intensives Masking.

Overload kann sich als Reizbarkeit, Rückzug, Sprachverlust, Weinen oder körperliche Erschöpfung äußern. Im Unterschied zu einem Meltdown (unkontrollierter Reaktion) ist ein Shutdown (Erstarren, Rückzug) eine häufige Reaktion bei Erwachsenen.

Erkennst du diese Anzeichen bei dir?

Deine Overload-Signatur: Welche 3 Symptome treten zuerst auf? → Notieren für Energie-Tracking.

Deine Notizen (z. B. meine 3 ersten Anzeichen):

Wie früh erkennst du diese Anzeichen?

Was hilft dir bei Overload?

5.4 Wenn der Tank leer läuft – Energie-Notfallplan (3 Tage)

Wenn deine Werte auf deutliche Erschöpfung hindeuten – oder du einfach merkst, dass du gerade nicht mehr kannst.

Dieser Plan gilt für alle Formen von Überlastung: Berufsarbeit, Care-Arbeit, soziale Erschöpfung, sensorischer Overload über Wochen – oder alles davon gleichzeitig. Er hilft dir, akute Überlastung zu reduzieren, bis du wieder handlungsfähig bist.

Woran du merkst, dass es zu viel wird (Frühwarnsignale):

  • Sensorische Überempfindlichkeit steigt – Licht, Lärm, Kleidung stören mehr als sonst
  • Sprache wird schwieriger – Sätze finden, antworten, schreiben braucht länger
  • Kleine Dinge fühlen sich riesig an
  • Rückzugsbedürfnis steigt stark an
  • Stimming intensiviert sich – als Zeichen, dass das Nervensystem Regulation braucht
  • Gefühl von Taubheit oder Leere (Shutdown), oder starke Reizbarkeit (Richtung Meltdown)

Wenn du diese Zeichen bei dir erkennst: Nicht abwarten bis es „schlimm genug" ist.

Tag 1: STOPP – Notbremse ziehen

Ziel: Energieverlust stoppen, nicht mehr verschlimmern

Wichtig: Kein Schuldgefühl. Du bist nicht faul. Du bist erschöpft. Das ist nicht das Gleiche. Beides gleichzeitig zu funktionieren versuchen ist keine Lösung – es verlängert den Overload.

Tag 2: REGENERIEREN – Nervensystem beruhigen

Ziel: Körper und Nervensystem beruhigen – keine Leistung, kein Funktionieren

Was ist Stimming? (Erklärung einblenden)

Stimming (Self-Stimulatory Behavior) bezeichnet repetitive Bewegungen oder sensorische Handlungen wie Schaukeln, Wippen, Händeschütteln, Summen oder Kauen. Stimming ist eine natürliche Regulationsstrategie – sie hilft, Emotionen zu verarbeiten, Reize zu dämpfen oder Freude auszudrücken.

Das Unterdrücken von Stimming kostet Energie und kann Overload verstärken. Im Notfallplan: Stimming aktiv erlauben statt unterdrücken.

Vermeide: Soziale Medien, Nachrichten, anspruchsvolle Serien oder Bücher – zu viele emotionale und kognitive Reize.

Zum Thema Care-Arbeit heute: Wenn du elterliche oder pflegerische Aufgaben heute dennoch nicht ganz abgeben kannst – reduziere auf das Minimum. Bildschirmzeit für das Kind ist heute kein Versagen. Fertigessen ist heute kein Versagen. Du bist heute nicht der schlechteste Elternteil – du bist ein erschöpfter Mensch, der Pause braucht.

Tag 3: ORIENTIEREN – Nächste Schritte planen

Ziel: Langfristige Entlastung organisieren – nicht sofort alles lösen, aber einen ersten Schritt tun

Was NICHT hilft:

  • „Einfach durchhalten" – verlängert den Overload
  • Vergleiche mit neurotypischen Standards oder anderen Menschen
  • Schuldgefühle als Motivationsstrategie einsetzen
  • Die Erschöpfung mit mehr Leistung überschreiben wollen

Notfallkontakte (bei akuter Krise):

  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 (kostenlos, 24/7)
  • Krisendienst Psychiatrie: 116 117 (ärztlicher Bereitschaftsdienst)
  • Autismus Deutschland Beratung: autismus.de/anlaufstellen

Nach Tag 3:

Wenn du dich stabilisiert hast, arbeite weiter an diesem Workbook. Die Selbsteinschätzungen helfen dir, langfristige Strategien zu entwickeln.

Wenn du nach 3 Tagen keine Besserung spürst: Suche dir ärztliche oder therapeutische Hilfe. Erschöpfung auf diesem Niveau ist ernst und braucht professionelle Unterstützung.


6. Masking-Screening: CAT-Q

Was ist Masking? (Erklärung einblenden)

Masking (auch: Camouflaging) bezeichnet das bewusste oder unbewusste Verbergen autistischer Verhaltensweisen, um neurotypischen Erwartungen zu entsprechen – z. B. erzwungener Blickkontakt, Unterdrückung von Stimming, Imitieren sozialer Skripte.

Masking kostet enorm viel Energie und ist ein Hauptrisikofaktor für autistischen Burnout. Der CAT-Q (Kapitel 6) misst das Ausmaß des Maskings.

Warum masken autistische Menschen? Oft aus Schutz vor Ablehnung, um am Arbeitsplatz zu bestehen oder soziale Verbindungen zu erhalten. Masking kostet aber viel Energie und ist ein Hauptrisikofaktor für autistischen Burnout – der CAT-Q hilft, das Ausmaß einzuschätzen.

Was misst der CAT-Q? (einblenden)

Camouflaging Autistic Traits Questionnaire (CAT-Q, Hull et al. 2019) – validiertes Instrument. Der CAT-Q steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0). Er erfasst drei Subskalen: Kompensation (Strategien, um autistische Züge auszugleichen), Masking (Verkleidung autistischer Verhaltensweisen) und Assimilation (Anpassung an soziale Normen, auch unter Belastung).

Sprachwahl: Du kannst den Fragebogen auf Englisch (validierte Originalversion) oder auf Deutsch (freie, nicht validierte Übersetzung durch die Praxis) ausfüllen. Nur die englische Version ist wissenschaftlich validiert; die deutsche Übersetzung dient der Orientierung.

Skala (1–7): Von „stimme überhaupt nicht zu“ (1) bis „stimme voll zu“ (7). Bei jeder Aussage schiebst du den Punkt auf der Linie an die passende Stelle.

Nur die englische Version ist wissenschaftlich validiert.

1 / 25  Block 1/3
1. When I am interacting with someone, I deliberately copy their body language or facial expressions.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
2. I monitor my body language or facial expressions so that I appear relaxed.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
3. I rarely feel the need to put on an act in order to get through a social situation.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
4. I have developed a script to follow in social situations.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
5. I will repeat phrases that I have heard others say in the exact same way that I first heard them.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
6. I adjust my body language or facial expressions so that I appear interested by the person I am interacting with.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
7. In social situations, I feel like I'm 'performing' rather than being myself.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
8. In my own social interactions, I use behaviours that I have learned from watching other people interacting.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
9. I always think about the impression I make on other people.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
10. I need the support of other people in order to socialise.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
11. I practice my facial expressions and body language to make sure they look natural.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
12. I don't feel the need to make eye contact with other people if I don't want to.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
13. I have to force myself to interact with people when I am in social situations.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
14. I have tried to improve my understanding of social skills by watching other people.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
15. I monitor my body language or facial expressions so that I appear interested by the person I am interacting with.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
16. When in social situations, I try to find ways to avoid interacting with others.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
17. I have researched the rules of social interactions to improve my own social skills.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
18. I am always aware of the impression I make on other people.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
19. I feel free to be myself when I am with other people.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
20. I learn how people use their bodies and faces to interact by watching television or films, or by reading fiction.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
21. I adjust my body language or facial expressions so that I appear relaxed.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
22. When talking to other people, I feel like the conversation flows naturally.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
23. I have spent time learning social skills from television shows and films, and try to use these in my interactions.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
24. In social interactions, I do not pay attention to what my face or body are doing.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
25. In social situations, I feel like I am pretending to be 'normal'.
stimme überhaupt nicht zustimme voll zu
Bitte wählen

7. Spektrum Münster als Ergänzung

Spektrum Münster ist passend, wenn:

  • Du die kostenlosen Angebote bereits genutzt hast oder nutzt
  • du lebenspraktische Themen hast (Arbeit, Identität, Energie)
  • du keinen Bedarf an Therapie hast (keine psychische Erkrankung)
  • du keine Diagnostik brauchst (Diagnose bereits vorhanden)
  • du sofortige Unterstützung brauchst (keine Wartezeit)
  • du autismusgerechte Prozesse suchst (schriftlich, reizarm, direkt)

Die Kombination funktioniert:

Viele Klient:innen nutzen beides parallel:

  • Kassentherapie für psychische Erkrankungen (Depression, Angst)
  • Spektrum Münster für lebenspraktische Themen (Arbeit, Identität, Energie)

Passt das zu dir? Erstgespräch buchen – 50 Minuten zur Passungsprüfung. Oder kontakt@spektrum-muenster.de, wenn du unsicher bist.


8. Vorbereitung auf das Erstgespräch

8.1 Was passiert im Erstgespräch?

Ablauf (50 Minuten):

1. Ankommen (5 Min): Technik-Check, kurze Orientierung

2. Anliegen klären (20 Min): Was beschäftigt dich? Was ist dein Ziel?

3. Kontext verstehen (15 Min): Wie sieht deine aktuelle Situation aus?

4. Nächste Schritte (10 Min): Was könnte hilfreich sein? Wie möchtest du weitermachen?

Du bestimmst:

  • Das Tempo
  • Die Tiefe
  • Die Themen

Du erhältst:

  • Schriftliche Agenda 24 Stunden vorher per E-Mail
  • Schriftliche Zusammenfassung binnen 48 Stunden nachher per E-Mail

8.2 Fragen, die du stellen kannst

Über die Beratung:

  • Wie läuft eine typische Sitzung ab?
  • Wie oft sollte ich kommen?
  • Was passiert, wenn ich eine Pause brauche?
  • Wie funktioniert das Solidarmodell genau?

Über die Prozesse:

  • Wie sieht die schriftliche Zusammenfassung aus?
  • Kann ich auch schriftlich kommunizieren statt mündlich?
  • Was, wenn ich einen Termin verschieben muss?

Über die Inhalte:

  • Welche Methoden nutzt du?
  • Wie arbeiten Sie mit autistischen Klient:innen?
  • Was sind deine Grenzen (was kannst du nicht anbieten)?

Notiere deine Fragen hier:

8.3 Was du mitbringen kannst

Optional (nicht erforderlich):

  • Notizen zu deinem Anliegen
  • Fragen, die du stellen möchtest
  • Dokumente, die relevant sein könnten (z.B. Diagnosebericht, Arbeitsplatz-Beschreibung)

Wichtig:

  • Du musst nichts vorbereiten
  • Du kannst jederzeit Fragen stellen
  • Du kannst jederzeit eine Pause machen

8.4 Checkliste vor dem Erstgespräch

Technik (bei Online-Gespräch):

Vorbereitung:

Selbstfürsorge:

8.5 Was passiert nach dem Erstgespräch?

Du erhältst:

  • Schriftliche Zusammenfassung binnen 48 Stunden per E-Mail
  • Strukturierte Übersicht zu möglichen nächsten Schritten

Mögliche nächste Schritte (du entscheidest):

  • Weitere Einzelberatung im gewählten Rhythmus (z.B. zwei- oder vierwöchig)
  • Oder du lässt alles wirken und meldest dich später wieder

Wichtig: Es gibt keine Verpflichtung. Du bestimmst, ob und wie du weitermachst.


9. Was, wenn es nicht passt? Exit-Strategie ohne Schuldgefühle

Wichtig vorab: Es ist völlig okay, nach dem Erstgespräch (oder nach mehreren Sitzungen) zu sagen: "Das passt nicht für mich."

9.1 Wann könnte es nicht passen?

9.2 Wie sage ich ab?

Option 1: Nach dem Erstgespräch

Du erhältst nach dem Erstgespräch eine Zusammenfassung und mögliche nächste Schritte. Du kannst einfach nicht antworten – ich interpretiere das als "passt nicht, danke".

Wenn du explizit Rückmeldung geben möchtest (hilft mir, aber kein Muss):

E-Mail-Vorlage:

  • Die Beratung passt aktuell nicht zu meiner Situation
  • Ich brauche erstmal etwas anderes (z.B. Therapie / Pause)
  • Die Chemie stimmt nicht
  • [Anderer Grund]
Betreff: Rückmeldung zum Erstgespräch
Hallo Herr Roth,
vielen Dank für das Erstgespräch. 
Ich habe für mich gemerkt, dass [Grund – optional]:
Ich wünsche dir alles Gute.
Mit freundlichen Grüßen
[Name]

Option 2: Nach mehreren Sitzungen

Auch nach 3, 5 oder 10 Sitzungen kannst du pausieren oder beenden. Das ist normal und Teil des Prozesses.

E-Mail-Vorlage:

  • Ich habe gerade keine Kapazität
  • Ich möchte erstmal das Erarbeitete umsetzen
  • Meine Situation hat sich verändert
  • [Anderer Grund]
Betreff: Pause / Beendigung der Beratung
Hallo Herr Roth,
ich möchte die Beratung [pausieren / beenden], weil [Grund – optional]:
Vielen Dank für die Unterstützung bisher. Ich melde mich wieder, wenn sich etwas ändert.
Mit freundlichen Grüßen
[Name]

9.3 Was passiert dann?

Keine negativen Konsequenzen.

  • Dass Klient:innen kommen und gehen - auch ohne sich zurückzumelden - ist Teil des Prozesses.
  • Ich werde weder Nachfragen stellen noch um ein "klärendes Gespräch" bitten.
  • Die Tür bleibt offen: Du kannst dich später wieder melden, wenn sich etwas ändert.
  • Deine Daten: Gesetzlich 10 Jahre Aufbewahrung der Behandlungsakte (§ 630f BGB – Dokumentation der Behandlung). Danach automatische Löschung. Zugriff: Nur ich als Berater; technische Dienstleister (z. B. E-Mail-Provider, Videokonferenz-Tools) nur verschlüsselt und im Rahmen eines Auftragsverarbeitungsvertrags. Details: Datenschutzerklärung. Deine Rechte: Jederzeit Auskunft und Berichtigung.

9.4 Keine Schuldgefühle

Du schuldest mir keine Erklärung.

Du schuldest mir keine Fortsetzung.

Du schuldest mir keine Loyalität.

Beratung ist eine Dienstleistung. Wenn sie nicht passt, ist das okay.

9.5 Was, wenn ich unsicher bin?

Wenn du nach dem Erstgespräch oder nach einigen Sitzungen unsicher bist, ob du weitermachen möchtest:

  • Option 1: Pause machen (4-8 Wochen), dann neu entscheiden
  • Option 2: Im nächsten Termin thematisieren: "Ich bin unsicher, ob das noch passt"
  • Option 3: Reduzierte Frequenz (statt alle 2 Wochen → alle 4-6 Wochen)

Du musst nicht sofort entscheiden.


10. Nächste Schritte

10.1 Deine Entscheidung

Du darfst in deinem Tempo vorangehen. Auch wenn du jetzt noch nicht buchen möchtest – deine Fortschritte bleiben gespeichert.

Nach dem Durcharbeiten dieses Workbooks:

Deine Notizen:

10.2 Verfügbarkeit und Buchung

Verfügbarkeit:

  • Samstags 9:00–13:00 Uhr
  • Online-Gespräche
  • Präsenz wird 2026 aufgebaut – Interessent:innen können sich per E-Mail an kontakt@spektrum-muenster.de in die Interessent:innen-Liste eintragen lassen.

Formate und Preise:

Format Beschreibung Preis
Erstgespräch (50 Min) Zwei Sitzungen zur Passungsprüfung möglich, Zielklärung und Ableitung nächster Schritte Basis: 67,90€
Regel: 79,90€
Einzelberatung (50 Min) Laufende Beratung nach Erstgespräch Basis: 109€
Regel: 129€
Paarberatung (90 Min) Auf Nachfrage. Erste zwei Sitzungen 209€, ab dritter Sitzung 249€. Auf Nachfrage

Hinweis: Aktuell Basis- und Regelpreis. Perspektivisch sind zwei weitere Preisstufen geplant.

Buchung: Termin buchen

10.3 Kontakt

Website: spektrum-muenster.de

E-Mail: kontakt@spektrum-muenster.de

Buchung: Termin buchen

10.4 Feedback

Feedback ist ausdrücklich willkommen. Es basiert auf meiner Erfahrung mit der Zielgruppe, hat aber den meisten Wert, wenn Betroffene selbst Feedback geben und ich dies einbauen kann.

Ich bin sehr interessiert an deinem Feedback:

  • Was war hilfreich?
  • Was fehlt?
  • Was war verwirrend?
  • Was könnte besser formuliert werden?
  • Welche Themen sollten ergänzt werden?
  • Hättest du lieber Du oder Sie verwendet?

Ich freue mich über eine kurze E-Mail mit deinen Gedanken.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast!


Literaturverzeichnis

Instrumente & Studien

Hull, L., Petrides, K. V., Allison, C., Smith, P., Baron-Cohen, S., Lai, M.-C., & Mandy, W. (2019). Development and validation of the Camouflaging Autistic Traits Questionnaire (CAT-Q). Journal of Autism and Developmental Disorders, 49(3), 819–833. https://doi.org/10.1007/s10803-018-3792-6

Kristensen, T. S., Borritz, M., Villadsen, E., & Christensen, K. B. (2005). The Copenhagen Burnout Inventory: A new tool for the assessment of burnout. Work & Stress, 19(3), 192–207. https://doi.org/10.1080/02678370500297720

Raymaker, D. M., Teo, A. R., Steckler, N. A., Lentz, B., Scharer, M., Delos Santos, A., Kapp, S. K., Hunter, M., Joyce, A., & Nicolaidis, C. (2020). „Having all of your internal resources exhausted beyond measure and being left with no clean-up crew“: Defining autistic burnout. Autism in Adulthood, 2(2), 132–143. https://doi.org/10.1089/aut.2019.0079

Konzepte & Hintergrund

Miserandino, C. (2003). The Spoon Theory. But You Don't Look Sick. https://butyoudontlooksick.com/articles/written-by-christine/the-spoon-theory/

Weitere genutzte Quellen

EUTB – Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung: eutb.de

Therapie.de – CBI-Burnout-Test: therapie.de

Autismus Deutschland e. V.: autismus.de


Anhang

Glossar

Begriff Bedeutung
CAT-Q Camouflaging Autistic Traits Questionnaire – Fragebogen zur Erfassung von Masking/Verbergen autistischer Züge (Hull et al. 2019). Drei Subskalen: Kompensation, Masking, Assimilation.
CBI Copenhagen Burnout Inventory – Fragebogen zur Erfassung von Burnout/Erschöpfung (Kristensen et al. 2005). Im Workbook: Persönlicher und Arbeitsbezogener Burnout.
EUTB Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung – kostenlose Beratung zu allen Ansprüchen (Teilhabe, Rehabilitation, Leistungen). Erste Anlaufstelle vor Anträgen; eutb.de.
Seite 1 von 1